29.06.2020, 10:00 Uhr | von | Arbeitnehmer

Die SPÖ fordert eine staatlich geförderte 4-Tage-Woche für alle Arbeitnehmer. Mit diesem Arbeitszeitmodell sei allen geholfen: weniger Kosten für Kurzarbeit, mehr Gehalt für Arbeitnehmer. Die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer sind jedoch strikt dagegen.

SPÖ will 4-Tage-Woche bei 95 Prozent Gehalt - Industrie und WKO dagegen
Bildquelle: APA | Arbeitszeit

Die SPÖ verlangt von der Bundesregierung mehr arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gegen die Coronakrise. Sie schlägt daher eine eine staatlich geförderte 4-Tage-Woche vor, mit der dem coronabedingten Nachfrageeinbruch eine Arbeitszeitverkürzung entgegengesetzt werden soll.

Die Kosten für die Reduktion der Arbeitszeit um 20 Prozent sollen zwischen dem Arbeitsmarktservice, dem Betrieb und dem jeweiligen Arbeitnehmer aufgeteilt werden. Das AMS und das Unternehmen würden - so der Vorschlag der SPÖ - je ein Drittel der Kosten übernehmen, der Arbeitnehmer würde brutto auf insgesamt 6,6 Prozent des Gehalts - also ebenfalls ein Drittel der 20 Prozent - verzichten.

Alle würden laut SPÖ profitieren

Aus Sicht der Sozialdemokraten würden alle Parteien von diesem Arbeitszeitodell profitieren:

Der Staat, weil das Modell weniger kosten würde als die derzeitige Kurzarbeit, der Betrieb, weil die Personalkosten bei gleichzeitig steigender Produktivität sinken würden und der Arbeitnehmer, weil er rund 95 Prozent seines ursprünglichen Nettogehalts bei einer auf 80 Prozent reduzierten Arbeitszeit erhalten würde.

"Das Modell ist eine moderne, zukunftsweisende Regelung, die mehr Flexibilität schafft", so SPÖ-Parteiobfrau Pamela Rendi-Wagner. "Damit werden Arbeitsplätze gesichert und geschaffen."

Industrie lehnt Forderung nach Arbeitszeitverkürzung ab

Die Industriellenvereinigung (IV) kann der SPÖ-Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung durch eine staatlich geförderten 4-Tage-Woche nichts abgewinnen. "Derartige Belastungsideen sind mehr als entbehrlich und ganz klar abzulehnen" teilte Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung, mit.

Für ihn gefährde die Arbeitszeitverkürzung die internationale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe und in der Folge auch österreichische Arbeitsplätze. Zudem würde diese Maßnahme für "zusätzliche Verunsicherung in wirtschaftlich ohnehin äußerst herausfordernden Zeiten" sorgen, so Knill in einer Aussendung am Samstag. Er würde sich "auch von einer Oppositionspartei mehr Verantwortung für unseren Wirtschaftsstandort und wirtschaftliches Verständnis wünschen".

Auch die Wirtschaftskammer lehnt den Vorschlag der SPÖ kategorisch ab. Der erst kürzlich wiedergewählte WKO-Präsident Harald Mahrer hatte betont, er wolle sich bei den Gesprächen über eine Verlängerung der Corona- Kurzarbeit nicht auf eine Debatte über eine generelle Arbeitszeitverkürzung einlassen.

(APA / Redaktion)

Mehr Informationen: Arbeitszeitaufzeichnung

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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