10.06.2020, 17:50 Uhr | von | Wirtschaft

Eine neue Studie von Branchenradar zeigt, dass die Haushaltsausgaben in Österreich bis 2021 um 26 Milliarden Euro sinken werden. Darunter leiden wird vor allem der Einzelhandel.

Haushaltsausgaben sinken um 26 Milliarden Euro - Handel massiv betroffen
Bildquelle: APA | Konsum im Einzelhandel

Die Haushaltsausgaben der Österreicher werden laut einer aktuellen Studie im Jahr 2020 aufgrund der Coronakrise um 15 Milliarden Euro. 2021 sollen es weitere um 11 Milliarden Euro weniger sein. Bei Dienstleistungen erwartet das Marktforschungsunternehmen "Branchenradar" ein Umsatzminus für das heurige Jahr von 8 Prozent, bei Investitionsgütern 6,5 Prozent. Bei Konsumwaren soll es zu einem Erlösplus von 1,3 Prozent kommen.

Diese Schätzung sei jedoch sehr "optimistisch", sagt Studienautor Andreas Kreutzer am Mittwoch, da etwa keine zweite Welle an Covid-19-Infektionen berücksichtigt wurde. "Jede Prognose ist nur eine Momentaufnahme", so Kreutzer.

Konsumlaune der Bevölkerung noch "im Keller"

Die "Konsumlaune" sei "noch im Keller", solange es ein latentes Risiko und damit anhaltende Planungssicherheit gebe. Daher werden die Konsumausgaben weiter verhältnismäßig niedrig bleiben. Auch aufgrund der hohen Kurzarbeits- und Arbeitslosenquote hätten die Konsumenten weniger Geld für den Konsum zur Verfügung. Erst am Dienstag zeichnete der Handelsverband ein ähnliches Bild und warnte durch den schwachen Konsum vor einer Pleitewelle im Handel.

Von den erwarteten Umsatzverlusten im österreichischen Einzelhandel sollen heuer voraussichtlich die Sparten Möbel (-5,3 Prozent), Bekleidung (-3,8 Prozent) und Hausrat (-1 Prozent) von der Coronakrise am stärksten betroffen sein. Doch gebe es laut Branchenradar auch einige Gewinner der Krise. Dazu zählen etwa Videospiele (+7,7 Prozent), Nahrungsmittel (+7,1 Prozent), Medikamente (+6,2 Prozent) und Drogeriewaren (+1,3 Prozent), die von einer Umsatzsteigerung ausgehen können.

Handelsverband weniger optimistisch - Konjunkturpaket gefordert

Der Handelsverband sieht die Prognosen für den Umsatz im Einzelhandel zu optimistisch. Immerhin zeichnen die Meldungen etlicher Betriebe ein anderes Bild.

Man fordert daher seitens Handelsverband abermals ein baldiges Konjunkturpaket, um den Konsum in Österreich anzukurbeln. Dafür müsse man endlich die Lohn- und Einkommenssteuer senken, einen "500-Euro-Österreich-Scheck für Geringverdiener" einführen und die Lohnnebenkosten reduzieren, forderte Will (Handelsverband).

Eine zeitlich-begrenzte Senkung der Mehrwertsteuer (wie etwa in Deutschland) lehnt man hingegen ab. Der temporäre Aufwand zur Umstellung wäre zu hoch. Auch die Anhebung des Arbeitslosengeldes sei, laut Experten, eine Möglichkeit, um die Konjunktur zu beleben.

Zudem ist es wichtig, dass die Betriebe rasch den staatlichen Fixkostenzuschuss und das Kurzarbeitsgeld ausgezahlt bekommen - immerhin wird mit Juni das Urlaubsgeld (13. Gehalt) fällig.

Online-Handel profitiert

Positivere Meldungen gibt es hingegen laut Will und Kreutzer vom heimischen Onlinehandel. Während des Lockdowns konnten die österreichischen Online-Händler ihren Marktanteil deutlich steigern. Der Anteil bei den Paketen soll für heimische Betriebe heuer von 22 auf 27 Prozent steigen.

"Generell wird Corona heuer den Onlinehandel in allen Warengruppen anschieben. Der E-Commerce federt vielerorts Umsatzverluste im stationären Sektor ab", so Kreutzer. Der "Lockdown-Effekt" habe dazu geführt, dass heimische Onlinehändler Marktanteile von der internationalen Konkurrenz zurückgewinnen konnten.

(APA / Redaktion)

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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