09.06.2020, 10:00 Uhr | von | Wirtschaft
Große Unsicherheit im Handel - Viele Betriebe von Zahlungsunfähigkeit bedroht
Bildquelle: APA | Handel

Die Wirtschaftsleistung liegt in Österreich weiterhin am Boden, auch wenn einige Unternehmen bereits deutlich positivere Erwartungen für die Zukunft haben. Der niedrige Konsum und die anstehenden Urlaubsgelder sorgen für große Unsicherheit im Handel.

Die von der Regierung gesetzten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben die heimische Wirtschaft massiv beeinträchtigt. Laut Eurostat sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 2,6 Prozent. Österreichische Unternehmen schätzen die Lage weiterhin ungünstig ein, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), die Erwartungen haben sich jedoch gebessert.

"Die Vorlaufindikatoren aus dem Wifo-Konjunkturtest zeigen abermals eine überwiegend negative Einschätzung der aktuellen Lage", so das Wifo.

Die Betriebe blickten hingegen zuletzt optimistischer in die Zukunft. Nach einem historischen Einbruch im April stieg der Index der unternehmerischen Erwartungen stieg im Mai wieder an.

Minus von 12,5 Prozent in Industrieproduktion

Die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 trafen die Wirtschaftsaktivität auf breiter Basis. Viele konsumnahe Dienstleistungsbranchen mussten die Geschäftstätigkeit vorübergehend komplett einstellen, die Exporte schrumpften deutlich. Die Industrieproduktion lag in Österreich um satte 12,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut.

Arbeitslosenquote und Konsum weiterhin prekär

Die Arbeitslosenquote liegt mit 11,5 Prozent weiterhin auf einem historischen Höchstwert, wenngleich sich die Situation im Mai etwas entspannt hat.

Auch der Konsumbarometer des Handelsverbands lag im April am Boden. Noch schlechter sei die Situation nur zu Beginn der Krise gewesen. Die Händler sind besorgt und fordern abermals ein Konjunkturpaket der Bundesregierung. Vor allem die anstehenden "doppelten Gehälter" (Urlaubsgeld) machen vielen Unternehmern Sorgen.

Es müssten daher alle genehmigten Gelder für Kurzarbeitsanträge, zumindest der Monate März und April, tatsächlich überwiesen werden, so der Handelsverband am Dienstag.Die Wartezeit auf die Kurzarbeitsgelder beträgt in Österreich bis zu 90 Tage. Für viele Unternehmen ist das viel zu lange - für manche sogar zu spät.

Drohende Zahlungsunfähigkeit

Auch der Auszahlung des Fixkostenzuschusses komme großes Gewicht zu. Ein Viertel der Handelsbetriebe sei akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht, jeder fünfte habe bereits Jobs streichen müssen.

"Das Problem spitzt sich nun bis Monatsende eklatant zu", heißt es seitens Handelsverband Österreich. "Erst wenn die Menschen Sicherheit ob ihrer Arbeitsplätze und Planbarkeit haben, gehen sie wieder gerne shoppen", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Nur ein Konjunkturpaket für die Handelsbetriebe könne Sicherheit für deren Existenz und die damit verbundenen Arbeitsplätze schaffen.

(APA / Redaktion)

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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