30.11.2019, 08:16 Uhr | von | Wirtschaft

Die Mercer Studie zeigt auf, dass die Gehälter in Österreich im Jahre 2020 um 2,8 Prozent steigen werden. Die reale Steigerung von 0,9 Prozent liegt im EU-weiten Durchschnitt. Auch die gedämpfte Konjunktur soll sich wieder stabilisieren.

Positivere Wirtschaftsprognosen für 2020 - Mercer rechnet mit Gehaltssteigerung
Bild: Finanz.at (Montage) | Reale Gehaltssteigerung in Österreich erwartet

Österreicherinnen und Österreicher werden im kommenden Jahr voraussichtlich um 2,8 Prozent im Durchschnitt mehr verdienen. Dies entspricht einer Steigerung um 0,9 Prozentpunkte gegenüber der für das Jahr 2020 prognostizierten Inflationsrate von 1,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Mercer. Erst im Oktober hatte die OeNB die Inflationsprognose für 2019 um 1,5 Prozentpunkte gesenkt.

In Deutschland steigt das reale Gehalt laut Mercer ebenfalls um 1,3 Prozent - und das trotz Rezession. Dennoch sei laut Vergütungsexperte Thomas Gruhle ein gedämpftes Wirtschaftswachstum zu erwarten. Grund dafür sind wohl auch die anhaltenden Handelskonflikte - vor allem zwischen den USA und der Volksrepublik China. Im Falle einer anhaltend schwächeren Konjunktur können jedoch Maßnahmen zur Entlastung von Einkommen - so auch ein realer Gehaltsanstieg - wirksam sein.

Auf Anfrage von Finanz.at teilte man aus dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung mit, "von einer tieferen Krise sei noch keine Rede."

Die Auswirkungen auf Österreich seien momentan noch sehr beschränkt.

"Die Inlandsnachfrage ist immer noch sehr robust und stützt die Konjunktur." Die Abschwächung werde sich "nächstes Jahr wieder stabilisieren", sieht Dr. Stefan Ederer vom WIFO auf Anfrage von Finanz.at für das Jahr 2020 eine deutlich positivere Entwicklung.

Nominelle und reale Gehaltssteigerung

Die nominelle Gehaltssteigerung in Westeuropa hat im Jahre 2019 durchschnittlich 2,5 Prozent betragen, wohingegen sie in Osteuropa 5 Prozent betrug. Die Inflation macht manche dieser Werte fast wieder wett. Denn in Osteuropa verbleiben nach Abzug der Inflation rund 1,2 Prozent, in Westeuropa 1,1 Prozent. So beträgt die nominelle Steigerung in Russland beispielsweise bei 7 Prozent, real nur 3,5 Prozent. In Polen beispielsweise bleibt nach Abzug der Inflation von nominell 3,5 Prozent gar nichts mehr übrig. Im unteren Durchschnitt liegt hierbei Österreich mit einem realen Gehaltsplus von 0,9 Prozent.

Laut der Studie von Mercer ist in Österreich vor allem in der Energiewirtschaft mit den größten Gehaltssteigerungen zu rechnen. Hier sieht man ein nominelles Plus von durchschnittlich 3 Prozent. Aber auch die Branchen Life Sciences, Konsumgüter und Hightech folgen mit 2,8 Prozent im Durchschnitt im Ranking.

Durch den Mangel an Fachkräften kann es aber durchaus auch sein, dass es in manchen Branchen deutlich höhere Gehaltserhöhungen geben wird. Grund hierfür ist, dass man in diesen Bereichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einerseits schwierig rekrutieren kann, andererseits ist es ebenso schwierig, diese an das Unternehmen zu binden.

Das österreichische Wirtschaftsministerium sieht die Bekämpfung des Fachkräftemangels weiterhin als eine der großen wirtschaftlichen Herausforderungen.

Derzeit werden "Maßnahmen zur Modernisierung der gesamten Lehrberufslandschaft", sowie etwa "15 neue Berufsbilder, für die Baubranche" und eine "nachhaltige Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte" geplant, wie man aus dem BMDW auf Anfrage von Finanz.at exklusiv mitteilte.

Österreich: Seit 2012 real um sieben Prozent mehr

Gehaltssteigerungen werden von 88 Prozent aller österreichischer Unternehmen aufgrund von Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geplant. 52 Prozent der Unternehmen machen hierbei die Performance des Unternehmens an sich davon abhängig, ob es eine Gehaltserhöhung gibt. Von der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters machen es nur 18 Prozent der Unternehmen abhängig.

Von 2012 bis 2019 stiegen die Gehälter in Österreich nominell um rund 20 Prozent - real beträgt diese Steigerung 7 Prozent. Im Vergleich gab es in China über denselben Zeitraum eine reale Steigerung des Gehalts um 45 Prozent. 2020 sollen die Gehälter in Asien real um 2,6 Prozent steigen. In Südamerika wird das reale Plus 0,9 Prozent betragen.

Über Mercer

Die aktuelle Mercer Studie, aus welcher die oben angeführten Daten stammen, bezieht sich auf ihre Vergütungsdatenbank, welche 15 Millionen Stelleninhaberinnen und Stelleninhaber aus mehr als 25.000 Unternehmen gespeichert hat.

Referenzen:

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

GehaltSteigerungMercer StudieÖsterreichLohn

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