26.11.2019, 08:00 Uhr | von | Wirtschaft

In den USA wurde zuletzt ein Fall bekannt, indem eine Frau im Vergleich zu ihrem Mann nur einen Bruchteil des Einkaufslimits bekommen hat, obwohl beide gleich viel verdienen. Nun stellt sich die Frage, ob dies auch in Österreich möglich ist und wie die Bonität überbewertet wird.

Bekommen Frauen in Österreich weniger Kredite als Männer?
Bild: Finanz.at / pixabay.com (Montage)

Der Technik-Konzern Apple gibt seit einiger Zeit auch Kreditkarten aus. Ausgerechnet dieses Produkt bescherte dem US-Unternehmen kürzlich einigen Ärger. Ein kalifornischer Unternehmer beschwerte sich, dass der Algorithmus, der das Kreditkartenlimit für Kundinnen und Kunden berechnet, sexistisch sei. Grund hierfür war der Fall einer Frau, die ein 20-mal kleineres Kreditkartenlimit erhalten hatte, als ihr Mann. Und das obwohl beide das gesamte Vermögen gemeinsam besitzen. Von diesem Vorfall hatte Finanz.at bereits berichtet.

Nun kommt auch hierzulande die Frage auf, ob es derartige Ungleichbehandlungen auch in Österreich gibt. Dabei spielt auch die Bonitätseinschätzung eine Rolle. Frauen könnten grundsätzlich durchaus bei der Krediteinstufung benachteiligt werden, da diese in der Regel immer noch schlechter verdienen als Männer.

Umfrage bei diversen Anlaufstellen

Im Zuge einer Umfrage wurden Erkenntnisse über das Vorgehen der Bonitätseinstufung beziehungsweise der Kreditvergabe österrechischer Banken gesammelt. Hierbei ist man grundsätzlich zu sehr unterschiedliche Ergebnisse gelangt. Viel Auskunft gab es bei den Umfragen jedoch nicht - die Befragten möchte in vielerlei Fällen die Grundlagen ihrer Bonitätseinstufungen nicht bekannt geben.

Im Interview mit Mag. Margit Mayrleb, Mitglied der Fraueninitiative, erklärte sie uns, dass derartige Fälle durchaus auch in Österreich vorstellbar wären.

"Das wäre keine Überraschung in unserer Gesellschaft. Frauen werden nicht nur in wirtschaftlichen Belangen, sondern auch in der Arbeitswelt und der Bezahlung noch immer regelmäßig benachteiligt.", so Mayrleb gegenüber Finanz.at.

Haben Frauen wirklich eine schlechtere Bonität?

Seit Jahren ist das Zinsniveau auf Grund der lockeren Geldpolitik, über die Finanz.at auch bereits berichtet hat, sehr niedrig (Finanz.at hat berichtet: Wird die Fiskalpolitik zur neuen Geldpolitik?). Vor allem Menschen, die einen Kredit aufnehmen wollen, freut dies. Diese Freude ist jedoch nicht bei allen gleich hoch. Einer Studie zufolge bekommen nämlich in vielen Fällen Männer ein besseres Zinsangebot unterbreitet als Frauen.

Der Zinssatz, den man angeboten bekommt, hängt von der Bonität der potenziellen Kreditnehmerin bzw. dem potenziellen Kreditnehmer ab. Je schlechter die Bonität einer Person ist, desto höher wird in der Regel auch der Zinssatz ausfallen.

In der Theorie sind alle Menschen gleich. In der Realität sieht dies jedoch meist ganz anders aus. Es ist vielerorts bekannt, dass Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden. Dies beginnt einerseits schon bei der Gehaltshöhe im Beruf, aber ist auch oftmals beim Zinssatz im Zuge einer Kreditvergabe der Fall – wenn diese überhaupt erst einen Kredit bekommen.

Geringeres Gehalt - der "Gender-Pay-Gap"

Hierfür ist vor allem das gerade angesprochene geringere Gehalt einer der Hauptgründe, da geringeres Gehalt auch in der Regel schlechtere Bonität bedeutet. Banken beziehen nämlich bei der Bonitätseinstufung oftmals das Nettoeinkommen, welches verfügbar ist, mit in die Liquiditätsbeurteilung ein. Vor allem bei höheren Kreditsummen bekommt man in der Regel schwieriger eine Zusage oder wenn, dann nur zu einem erhöhten Zinssatz.

"Wenn ein Antrag von einer Frau gestellt wird, ist das Risiko, dass der Kreditantrag abgelehnt wird um rund ein Drittel höher als bei Männern.", das teilte Finanzierungsexperte Gerhard Kranz auf Anfrage von Finanz.at mit. 

Er empfiehlt Frauen bei der Auswahl der Kreditgeber besonders Augenmerk auf die Konditionen zu legen. Das Einbeziehen eines zweiten Kreditnehmers, wie den Partner oder Geschwister, kann, so der Experte für Finanzierungen, bei den Konditionen hilfreich sein. Dies würde aus Sicht der Bank bedeuten, dass die Bonität besser wird und gleichzeitig das Ausfallsrisiko sinkt. Dadurch habe die Bank mehr Spielraum und könne unter Umständen dem Kreditantrag nicht nur stattgeben, sondern oftmals auch bessere Konditionen bieten.

aktualisiert: 27.11.2019, 09:16 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

KreditvergabeKreditFrauenMännerUngleichheit

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