23.11.2019, 15:54 Uhr | von | Arbeitnehmer

Nach vier Verhandlungsrunden kam es zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft zu einer Einigung über den neuen Kollektivvertrag im Handel.

Im Durchschnitt gibt es eine Gehaltssteigerung von 2,35 % im Handel
Bild: pixabay.com / rawpixel

Es gab über 200 Betriebsversammlungen in der vergangenen Woche. Nun haben sich die Gewerkschaft und die Arbeitgeber auf ein Ergebnis einigen können und am Donnerstag den neuen Kollektivvertrag für den Handel verabschiedet. Dieser gilt für rund 15.000 Lehrlinge und 413.000 Angestellte. Die Gehälter steigen ab 01.01.2019 um rund 2,35 %.

Die genaue Gehaltserhöhung beträgt bei den ersten drei Gehaltsgruppen 2,5 % - bei den höheren Gehaltsgruppen, also jene die mehr verdienen, beträgt das Plus 2,2 %. Für Vollzeitangestellte steigt das Mindestgehalt laut altem Kollektivvertrag von 1.634 Euro auf 1.675 Euro – gemäß dem neuen KV von 1.677 Euro auf 1.714 Euro brutto monatlich. Im zehnten und fünfzehnten Dienstjahr wurde ebenso ein zusätzlicher Freizeittag vereinbart. Bei den Lehrlingen gab es eine Einigung über eine um durchschnittlich 7,4 % erhöhte Entschädigung.

Gewerkschaft zufrieden

Von Seiten der Gewerkschaft zeigt man sich trotz der ursprünglichen Forderung von einer durchschnittlichen Gehaltserhöhung von 4,4 % mit dem Ergebnis zufrieden. Ihr war es vor allem wichtig, dass die unteren Gehaltsgruppen eine überdurchschnittliche Erhöhung im Gehalt erfahren. Die Handelsbetriebe – das sind rund 80.000 in Österreich – haben bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Schema des KVs umzusteigen.

Für Händler stemmbar?

Von Seiten des Handelsverbands-Geschäftsführer, Rainer Will, heißt es in einer ersten Stellungnahme, dass es für einige Händler kaum möglich sein wird, die 2,35 % zu stemmen. Er sieht vor allem eine Notwendigkeit, den Fokus künftig auf die Vereinfachung der Zuschläge zu legen.

Verlauf der KV-Verhandlungen des Handels

Zur Erinnerung: Am 22.10.2019 begannen die Verhandlungen um den Kollektivvertrag im Handel zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft. Überraschend war, dass der Handel gleich viel forderte, wie auch die Metaller in deren KV-Lohnverhandlungen.

Erste Verhandlungsrunde

Zum damaligen Zeitpunkt war bereits klar, dass Betriebsversammlungen abgehalten werden, sofern man in der ersten Runde der Verhandlung zu keinem Ergebnis kommen würde. Die ursprünglichen Forderungen der Gewerkschaft waren ein Lohnplus von 4,5 % und die Einführung einer Vier-Tage-Woche. Von Seiten der Arbeitgeber ist dies aber auf Ablehnung gestoßen, welche wiederum 1,8 % Gehalts plus angeboten haben. Dies entspricht ungefähr dem Wert der Inflation.

Verärgerung bei den Arbeitgebern

Der Präsident des Handelsverbandes bezeichnete die Forderung der Gewerkschaft als realitätsfremd. Auch von dem Handels-Obmann der Wirtschaftskammer kam die Bitte nach einer seriösen Forderung. Ebenso wurde kritisiert, dass die Gewerkschaft die Forderungen, welche in den Verhandlungen zu Tage treten, vorab in den Medien besprochen hatte.

Zweite Verhandlungsrunde

Auch die zweite Runde der Kollektivvertragsverhandlungen im Handel führten zu keinem Ergebnis, worauf hin die Gewerkschaft Betriebsrätekonferenzen angekündigt hatte. Rund 400 Betriebsräte beteiligten sich an der Konferenz in Sankt Pölten. Von Seiten der Gewerkschaft gab es grünes Licht für rund 200 Betriebsversammlungen, die teilweise noch vor der dritten Verhandlungsrunde abgehalten werden sollten.

Eine Gehaltserhöhung von 1,9 % für alle Angestellten des Handels, ebenso wie eine Erhöhung der Lehrlingsentschädigung von 4,54 bis 9,75 % wurden von der Arbeitgeberseite angeboten. Die Gewerkschaft hingegen forderte ein durchschnittliches Gehalt plus von 4,4 %, 130 € Schulstart Geld für Lehrlinge und drei Freizeittage.

Dritte Verhandlungsrunde

Obgleich die Atmosphäre der Gespräche in den Verhandlungen besser geworden ist, führte auch die dritte Verhandlungsrunde zu keinem Ergebnis und wurde abgebrochen. Daher plante die Gewerkschaft österreichweite Betriebsversammlungen.

Von Seiten der Arbeitgeber wurde im Zuge der dritten Verhandlung ein Gehaltsplus von 2 % - das entspricht einer Erhöhung von 0,1 Prozentpunkten des ursprünglichen Angebots – sowie eine Lehrlingsentschädigungserhöhung von 7,33 % angeboten.

Vierte und letzte Verhandlungsrunde

Dann gingen die KV-Verhandlungen in die vierte und letzte Runde. Vor dieser lagen die Forderungen und Angebote von beiden Seiten noch sehr weit auseinander. Von Seiten der Gewerkschaften hatte man bereits mit weiteren Betriebsversammlungen gedroht.

Peter Buchmüller, der WKÖ-Handelsobmann, zeigte sich jedoch zuversichtlich, ein Ergebnis im Zuge der vierten Verhandlung erzielen zu können. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass man nicht zu jedem Preis abschließen würde. Schlussendlich kam es aber dann zu einer Einigung, mit der sich grundsätzlich sowohl die Arbeitgeber als auch die Gewerkschaften zufriedengaben.

 

Referenzen:

aktualisiert: 23.11.2019, 15:58 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

KVVerhandlungenForderungenDiskussionenHandelBetriebsversammlungenResultat

Melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an und erhalten Sie immer aktuelle Infos und News sofort per Email.
Mehr Schlagzeilen

Alle Informationen zu den Richtlinien finden Sie hier. Kontaktieren Sie uns für Ihr Feedback!