18.11.2019, 20:43 Uhr | von | Wirtschaft

Ein weiteres Verteilzentrum im Süden Wiens soll von Amazon eröffnet werden. Dies soll vor allem dazu dienen, um die ständig steigende Nachfrage abdecken zu können.

Amazon zeigt sich gegenüber der Post offensiv - zweites Verteilzentrum soll kommen
Bild: bigstockphoto.com / bennymarty

Mit Beginn des Monats November startet die stressigste und zugleich lukrativste Zeit für den Onlinehändler Amazon. Täglich werden im Weihnachtsgeschäft über 100.000 Pakete an österreichische Haushalte geliefert. Seit einem Jahr werden die Pakete jedoch nicht mehr exklusiv von der Post und anderen Lieferdiensten geliefert. Grund hierfür ist, dass Amazon im Februar 2019 ein eigenes Verteilzentrum in Großebersdorf, Österreich, eröffnete, von dem täglich rund 25.000 bis 35.000 Pakete mit Hilfe von Amazon-Partnern in Wien und Wien Umgebung ausgeliefert werden.

Nun soll ein zweites Verteilzentrum in Wien Liesing im Frühling 2020 eröffnet werden. Gebaut ist dieses jedoch noch nicht. Die Anzahl an MitarbeiterInnen soll von 150 auf 270 beinahe verdoppelt werden. Ob Amazon das Geschäft ausweiten will, um noch schnellere Lieferungen gewährleisten zu können oder um auf die Übernahme von DHL durch die Österreichische Post zu reagieren, bleibt wohl der eigenen Interpretation offen.

Konkurrenz macht Amazon zu schaffen

Trotz zunehmender Beliebtheit des Online-Riesen rechnet Amazon für das kommende Geschäft im Schlussquartal angesichts harter Konkurrenz mit einem deutlichen schwächeren Ergebnis. Dies berichtete die APA in einer Ausschreibung. Für das letzte Quartal des Jahres, in welches einerseits Thanksgiving und andererseits Weihnachten fallen, wird mit einem Nettoerlös von 80 bis 86,5 Milliarden US-Dollar, also umgerechnet zwischen 71,92 und 77,77 Milliarden Euro, gerechnet. Von Seiten der Analysten wird von einem Nettoerlös von 87,37 Milliarden US-Dollar ausgegangen. Aber nicht nur die Prognose über das vierte Quartal des Jahres 2019, sondern bereits das dritte Quartal enttäuscht. Amazon verdiente in diesem nämlich gesamt nur rund 2,13 Milliarden US-Dollar. Vergleicht man dieses Ergebnis mit dem des Vorjahres, so kann man einen Rückgang von einem Viertel beobachten.

Die Österreichische Post und Amazon

Im März wurde berichtet, dass im Laufe des Jahres 2020 die Österreichische Post das Zustellgeschäft der deutschen DHL in Österreich übernehmen soll. Damit verliert die Österreichische Post nicht nur einen Konkurrenten, sondern gewinnt gleichzeitig einen neuen Partner. Mit der Übernahme des Zustellgeschäfts von DHL durch die Österreichische Post soll man in die Lage kommen, gemeinsam unter der Ausschöpfung des Potenzials zu wachsen.

Ferner konterte die Österreichische Post – wahrscheinlich auf das von Amazon eröffnete Verteilzentrum in Großebersdorf – mit einem neuen Produkt namens „Alles Post“. Kundinnen und Kunden können gegen Zahlung eines Entgeltes gewährleistet bekommen, dass das Paket von der Post zugestellt wird. Hierbei kann die Lieferung wie gehabt nach Hause oder aber auch in die Postabholstation erfolgen. Die Österreichische Post wollte mit diesem Schritt wohl auch auf das Klagen über ständig neue Paketzusteller oder die Lieferung durch Amazon selbst eingehen. Ein Jahresabo kostet 39,90 Euro und beinhaltet die Lieferung von 40 Sendungen. Damit geht der Service gleichermaßen aber auch ordentlich ins Geld. Ob der Service auch nach einer Übernahme des Zustellgeschäfts von DHL bestehen bleiben wird, ist derzeit noch unklar.

Ein Grund für den Zusammenschluss ist der steigende Druck von Seiten des Onlinehändlers Amazon. Das Geschäft von Amazon wächst im Allgemeinen sehr stark. Von Seiten des Erste Group-Analysten Christoph Schultes hieß es zu Beginn des Jahres, dass der Markteintritt von Amazon dazu führen könnte, dass DHL mittelfristig rund 3 Millionen Pakete weniger ausliefern würde. Dies bedeutet gleichzeitig aber auch, dass es für DHL schwieriger wäre, profitable Geschäfte zu machen.

Im Jahre 2018 hielt Amazon im Branchenradar nur rund 2 % des Marktanteils, 47 % entfielen auf die Post und 27 % auf DHL. Dies würde nach dem Stand von 2018 bedeuten, dass ein Zusammenschluss der Österreichischen Post und DHL zu einem ungefähren Marktanteil von 74 % führen würde. Diese Anteile sollen sich aber im Laufe des Jahres 2019 durch den Markteintritt von Amazon und der Eröffnung des Verteilzentrums in Großebersdorf deutlich verschieben. Wie groß diese Verschiebung sein wird, konnte man zum damaligen Zeitpunkt sowie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen und wird abzuwarten sein.

Referenzen:

aktualisiert: 18.11.2019, 20:46 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

AmazonPostOffensiveDHLVerteilzentrumKonkurrenz

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