11.11.2019, 13:02 Uhr | von | Wirtschaft

Eine neue Sicherheitsnorm für Aufzüge wurde von der EU beschlossen. Dies kann zu Millionenkosten in Österreich und Wien führen.

Millionenkosten für Wien und Österreich wegen neuer Aufzugsnorm
Bild: pixabay.com / pixel2013

In der EU wurde eine neue Sicherheitsnorm für Auszüge festgelegt. Dies ist für Österreich und Wien mit durchaus sehr hohen Kosten verbunden. Denn alleine für die Überprüfung auf Einhaltung der Norm würde sich in Wien mit rund 46.000 Liftanlagen die Kosten auf 14 Millionen Euro belaufen. Die Ziviltechnikkammer kritisiert diesen Umstand und betont, dass es sich bei Aufzügen mittlerweile um ein sicheres Verkehrsmittel handle.

Die Stadt Wien sieht sich für ihre 9.000 Anlagen einem Überprüfungsentgelt von rund 2,7 Millionen Euro, welches aus Steuergeldern bezahlt wird, gegenüber. Dieses Geld könnte in anderen Bereichen, wie etwa der Prävention von Todesfällen durch gefährliche Keime besser eingesetzt werden und somit auch zu einem wirklichen Sicherheitsgewinn führen. Dieser Meinung ist zumindest Erich Kern, Präsident der Ziviltechnikkammer für Wien, Niederösterreich und Burgenland.

Aufzüge sind bereits sicheres Verkehrsmittel

Laut der Ziviltechnikkammer gab es in ganz Österreich seit dem Jahre 2010 keinen Todesfall mehr auf Grund eines Aufzugs. Eine gute Bilanz, wenn man bedenkt, dass in Österreich rund 80.000 Personen- und Lastenauszüge zu finden sind. Außerdem werden jährlich lediglich 100 Schadensfälle registriert, was auch im Vergleich zur Gesamtanzahl an Liftanlagen eine sehr geringe Zahl ist.

Laut statistischer Betrachtung ist ein Todesfall durch einen Aufzug mittlerweile ebenso unwahrscheinlich, wie das Zusammenbrechen eines gesamten Gebäudes. Daher macht für Kern eine Nachrüstung aus einem rein rationalen, technischen Blickwinkel keinen Sinn.

Mehr Leichtsinn durch mehr Sicherheit?

Zu bedenken ist, dass bessere Sicherheitsmaßnahmen auch bedeuten, dass Menschen sorgloser werden könnten. So bedeuten bessere Sicherheitssysteme nicht zwingend eine verminderte Unfallhäufigkeit. Grund hierfür ist etwa, dass im Bewusstsein der Menschen eine höhere Zuverlässigkeit der Systeme vorliegt. Dies kann dazu führen, dass die Menschen grundsätzlich leichtsinniger werden.

Normdiskussionen

Die europäische Norm soll nun in eine Ö-Norm übernommen werden. Damit ist sie noch nicht automatisch Gesetz. Außerdem müssen Aufzüge an sich nur zusätzlich überprüft und nachgerüstet werden, wenn dies im Aufzugsgesetz auch so festgeschrieben wird. Auf der anderen Seite wird sich im Zivilrecht auch oft auf den Stand der Technik berufen, welche wiederum in den geltenden Normen erfasst worden ist. Kern hofft, dass es in diesem Zusammenhang noch eine öffentliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Umsetzung dieser Normen geben wird.

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

AufzugnormSicherheitÖ-NormEU-SicherheitsnormKosten

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