29.10.2019, 14:06 Uhr | von | Finanzen

Das Sparbuch ist in Österreich trotz geringer Zinsen immer noch ein viel verwendetes Sparinstrument. Es gibt Anlageformen, die mehr Rendite bringen, die jedoch andere Risiken mit sich bringen.

Einen großen Ertrag ohne Nachteile gibt es nicht
Bild: pixabay.com / FirmBee

Der Weltspartag steht vor der Türe und zeigt erneut auf, dass die Österreicherinnen und Österreicher sogenannte SparbuchsparerInnen sind. Das Sparbuch soll in den vergangenen Jahren Milliarden an Euro gekostet haben. Ein Grund hierfür ist etwa, dass die Sparbücher nach Abzug der Inflation eine Rendite im negativen Bereich bringen. Beispielsweise mit Aktien ist es möglich, weit mehr zu verdienen, dennoch stellt sich die Frage, ob Sparbücher wirklich so „schlecht“ sind, wie sie dargestellt werden. Im Nachfolgenden findet sich eine Auflistung der Vor- und Nachteile der wichtigsten Anlageformen wieder.

Sparbuch

Vorteil: Als Vorteil des Sparbuchs kann gesehen werden, dass das Geld, welches auf einem täglich fälligen Sparbuch oder aber auch schiere Konto liegt, immer griffbereit ist. Außerdem ist mit Kursschwankungen nichts zu befürchten, ein nomineller Verlust ist sehr unwahrscheinlich. Für Geldreserven eignet sich das Sparbuch daher sehr gut.

Nachteil: Der Österreichischen Nationalbank zufolge betrug die nominelle jährliche Rendite aus den Einlagen der vergangenen vier Jahren 0,2 %. Dies wären real betrachtet ein Minus von 3 %. Das ist der Wert, den das Vermögen auf Konten und Sparbücher jährlich an Kaufkraft verliert. Als Instrument für den Vermögensaufbau ist das Sparbuch daher eher nicht geeignet.

Anleihen

Vorteil: Als Vorteil von Anleihen kann gesehen werden, dass Schuldverschreibungen von Staaten, aber auch Unternehmen mit guter Bonität fixe Zinsen bringen. Gegen Ende der Laufzeit erhält man sein Geld zurück, während der Laufzeit ist es unter Umständen möglich, die Anleihe mit Gewinnerzielung zu verkaufen.

Nachteil: Als Nachteil der Anlageform Anleihen kann gesehen werden, dass die derzeitige Rendite von sicheren Anleihen häufig negativ ist. Diese während der Laufzeit mit einer Erzielung eines Gewinns zu verkaufen, gelingt so einigen, aber nicht jeder Anlegerin bzw. jedem Anleger.

Fonds

Vorteil: Wenn man in Fonds investiert, vertraut man sein Geld einem Fondsmanager an. Dieser investiert das Geld wiederum in Anleihen und Aktien. Als Vorteil kann hier gesehen werden, dass man sich um nichts kümmern muss. Die einzige Aufgabe, die man selbst hat, ist es, den Fonds auszuwählen. Hier gibt es verschiedene Produkte. Das Vermögen der Anleger ist auch dann sicher, selbst wenn die Fondsgesellschaft insolvent ist.

Nachteil: Bei Fonds ist es ebenso möglich, dass die Wertpapierkurse der sich im Fonds befindlichen Positionen, schwanken können. So ist es auch bei Fonds möglich, Kursverluste wie auch bei Aktien zu erleiden. Außerdem ist die Arbeit eines Fondsmanagers nicht kostenlos. So werden oftmals beachtliche Gebühren verrechnet. Die entstehenden laufenden Kosten verringern folglich auch die laufende Rendite. Außerdem gibt es keinerlei Garantie dafür, dass der Fondsmanager immerzu gute Entscheidungen trifft.

Aktien

Vorteil: Aktien sind ein langfristiges Anlageinstrument und gleichzeitig auch eine der Anlageformen mit den höchsten Renditen. So hat der US-amerikanische S&P500 seit den 1970er-Jahren jährlich rund 7 % an Kursrendite gebracht. Hierzu kommen noch Dividenden.

Nachteil: Auf der negativen Seite der Aktien sind Kursschwankungen zu benennen. Selten, aber möglich, sind etwa Verluste von bis zu 50 %, wie es auch bei der Finanzkrise 2008 der Fall war. So kann es sein, dass eine lange Wartezeit entsteht, bis sich die Kurse wieder erholen. Manche Aktien erholen sich jedoch nicht und auch die Möglichkeit eines Totalverlustes besteht. Man sollte daher nur dann in Aktien investieren, wenn man das Geld langfristig anlegen möchte und kann und wenn man seine Investitionen breit streut, also in mehrere Unternehmen aus den verschiedensten Branchen investiert.

Gold

Vorteil: Gold ist ebenso eine Anlageform. Vor allem eignet sich das Edelmetall zur Wertaufbewahrung. Denn der Preis steigt auf lange Sicht mit der Inflation. Es gibt ferner kaum eine Korrelation zwischen Gold und den Aktienmärkten. Vor allem in Krisenzeiten ist Gold sehr gefragt.

Nachteil: Gold unterliegt auf kurz- und mittelfristiger Sicht doch sehr hohen Schwankungen. Außerdem lukrieren Aktien in der Regel auf lange Sicht mehr Gewinne als Gold.

Immobilien

Vorteil: Einerseits kann man mit einer Immobilien Miete sparen, wenn man diese selbst benutzt, andererseits kann man durch Mieteinnahmen auch laufende Einnahmen lukrieren. Unter Umständen kann auch eine Wertsteigerung des Objektes erzielt werden.

Nachteil: Die Kaufpreise von Wohnungen und Häusern sind vor allem in Ballungsräumen im Vergleich zur erzielbaren Miete relativ hoch. Daher kann man sich eine Immobilie in der Regel nur dann leisten, wenn der Großteil des Vermögens gebunden ist. Außerdem kann es sein, dass man Leerstände erfahren muss, in denen man folglich auch keine Mieteinnahmen erzielen kann. Immobilien sind in jedem Falle eine langfristige Anlageform, denn Spesen verringern den Gewinn beim Verkauf nach kurzer Zeit bis auf 0.

ETFs

Vorteil: Unter ETFs versteht man Fonds, bei denen kein Fondsmanager ins Spiel kommt. Man bildet hierbei lediglich einen Index. Dies kommt einem kostengünstiger.

Nachteil: Bestimmte Werte oder Branchen, die derzeit einen Hype erfahren, sind in den eben genannten Indizes oftmals übergewichtet. Diese Positionen werden also zwangsläufig mitgekauft und können zur Folge haben, dass man vermehrt in solche Positionen oder „schlechte Aktien“, in die man unter Normalumständen nicht investieren würde, investiert.

Bitcoin

Vorteil: Hat man rechtzeitig auf das Potenzial des Bitcoins gesetzt, konnte man sein Geld in den letzten Jahren vertausendfachen. Diese Wiederholung wird es aller Wahrscheinlichkeit nach so nicht mehr geben. Der Preis hat jedoch dann Potenzial, erneut stark zu steigen, sofern die Kryptowährung eine breitere Verwendung erfahren sollte.

Nachteil: Mit extremen Schwankungen beim Bitcoin ist zu rechnen. Es könnte zudem auch der Fall eintreten, dass der Kurs einen Totalabsturz erleidet. Daher sollte man als Investorin oder Investor nur einen kleinen Teil seines Vermögens investieren und auch nur, wenn man mit Investitionen schon einiges an Erfahrung gesammelt hat.

 

Alle oben genannten Vor- und Nachteile sind keinesfalls als Handlungsempfehlung zu deuten, sondern dienen ausschließlich der Information.

aktualisiert: 29.10.2019, 14:06 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

SparbuchRenditeAnlageMöglichkeiten

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