25.10.2019, 11:31 Uhr | von | Wirtschaft
Reportage

Die Haushalte waren vor 30 Jahren die größten Verbraucher von Energie. Heute stellen Industrie und Verkehr diese in den Schatten.

Seit 1990 hat sich der Energieverbrauch Österreichs beinahe verdoppelt
Bild: pixabay.com / Blomst

In Österreich hat sich innerhalb der letzten drei Jahrzehnte der Energiebedarf des Verkehrs beinahe verdoppelt. Somit ist dieser Bereich im Vergleich zu anderen Sektoren, wie etwa Haushalte und Industrie, am meisten gewachsen. Noch im Jahre 1990 haben private Haushalte und die Industrie mehr Energie als der Verkehr verbraucht. Von Seiten des Verkehrsclub Österreich wird daher eine Drosselung des Energieverbrauchs im Verkehr und eine rasche Umstellung auf Elektroautos gefordert.

Für rund 85 % der Zunahme im Bereich des Energieverbrauchs soll der Kfz-Verkehr verantwortlich sein. Der Energiebedarf des Verkehrs müsste deutlich gesenkt werden, um die Klimaziele erreichen zu können. Außerdem soll es zu einer Umstellung der Autoflotte von Verbrennungsmotoren auf Elektromotoren geben. Diese Umstellung sollte außerdem beschleunigt werden. Der Energieverbrauch eines Elektroautos soll samt Batterie- und Fahrzeugherstellung um 38 % geringer als der eines dieselbetriebenen Fahrzeugs sein. Dieser Meinung ist zumindest der Verkehrsclub Österreich. Dennoch soll innerhalb der ersten neun Monate des Jahres 2019 der Bestand an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren um 39.635 Stück gestiegen sein, währenddessen die Zahl der Elektroautos um nur 7.057 auf insgesamt 27.888 gestiegen sein soll.

Des Weiteren betont der VCÖ, dass ein Linienbus inklusive der Fahrzeugherstellung pro Personenkilometer um 77 % weniger Energie als ein durchschnittlicher dieselbetriebener Wagen verbraucht. Die Bahn soll um 85 % weniger Energie verbrauchen, das Fahrrad um 98 % weniger.

Woher der benötigte Strom, wohin die Elektroabfälle?

Dass sich der Energiebedarf der Österreicherinnen und Österreicher ändert, ist wohl auch mit der wachsenden Anzahl an in Österreich lebenden Menschen zu erklären. Außerdem gibt es einen Wandel innerhalb des Soziallebens, wonach es nicht nur noch ein Auto in der Familie gibt, sondern auch die Kinder und Enkelkinder einer Familie im Laufe der Zeit ein Auto besitzen und dieses auch fahren werden.

Was jedoch in den Prognosen der diversen Elektroauto-Befürworter nicht erwähnt wird, ist etwa, woher der ganze Strom kommen soll, wenn die Mehrheit an Menschen in Österreich auf solche umsteigen sollten. Was weiterhin ebenso wenig ins Gespräch kommt, ist wo die Entsorgung von nicht mehr zu gebrauchenden Batterien von Elektroautos stattfinden soll. Diese werden allem Anschein nach in Länder der Dritten Welt gebracht, um dort kostengünstig entsorgt zu werden. Dass dies wiederum Energie verbraucht, da man die Batterien per Flugzeug oder anderem Verkehrsmittel transportieren muss und dass der Elektroschrott im Zielland verwertet werden muss, bedenkt hierbei jedoch kaum jemand.

Dies ist mitunter sehr wahrscheinlich auch ein Hauptgrund, warum es in Österreich noch nicht derartig viele Elektroautos gibt, da viele sich ähnliche Fragen stellen.

Was außerdem nicht Erwähnung seitens der E-Auto-Befürworter findet, ist etwa, dass ein sehr großer Teil der in Österreich entstehenden Abgaswerte nicht von den Personenkraftfahrzeugen entstehen, sondern durch die Tausenden LKWs, die täglich durch Österreich fahren, dem Schiffverkehr und ganz besonders dem Flugverkehr.

aktualisiert: 25.10.2019, 11:31 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

EnergieverbrauchStromElektroautos

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