23.10.2019, 11:12 Uhr | von | Wirtschaft

Die Billig-Fluglinie Lauda hat beschlossen, neue Mitarbeiter von nun an nur noch befristet über eine Ryanair-Tochter anzustellen. Dies zum Teil für unter 1000 € pro Monat.

Aushebelung des Kollektivvertrags von Lauda
Bild: Finanz.at / pixabay.com (Montage)

Vor einigen Tagen gab es einen großen Wirbel um die Betriebsratswahl, welche vom Management der Fluglinie Lauda nicht anerkannt wurde. Die Wahl hat stattgefunden, der Arbeitskampf ist damit aber noch nicht beendet. Er droht sich im Gegenteil sogar zu verschärfen. Denn Lauda, die Tochter der irischen Ryan-Air, setzt nun offenbar den Plan, neue Mitarbeiter über eine neu zu gründende, österreichische Firma nur noch befristet anzustellen, um.

Der mit 01.08.2018 abgeschlossene Kollektivvertrag wird mit dieser Einstellung praktisch ausgehebelt. Eine Tochter von Ryanair, Crewlink Ireland Ltd., scheint keine österreichische Niederlassung zu haben. Sie scheint zumindest nicht im Firmenbuch auf. Auch eine Gewerbeberechtigung als Arbeitskräfteüberlasser soll es nicht geben.

Der Kollektivvertrag gilt aber noch. Bezüglich Gehälter können frühestens nach einem Jahr – erstmals ab 01.04.2020 – allgemeine Änderungen unter Berücksichtigung der aktuellen Wirtschaftslage vorgenommen werden. Ryanair hatte der Belegschaft von Lauda aber mit Kündigungen gedroht und somit einen Pakt geschlossen, um Effizienzsteigerung zu erwirken.

Keine Extra-Bezahlung für Mehrarbeit

Die Dienstverträge, welche auf 18 Monate befristet sind, beinhalten aber noch mehr Gründe zur Aufregung. Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern wird demnach ein Bruttomonatsgehalt von 1130,63 € geboten. Dies entspricht einem Nettoverdienst von 959 € monatlich. Dies ist ein Betrag, der der Meinung vieler klar unter der Armutsgefährdungsschwelle steht. Außerdem ist das Gehalt auch mit einer so genannten „All-in-Klausel“ versehen, was wiederum bedeutet, dass Überstunden bzw. Mehrarbeit nicht gesondert vergütet werden. Im derzeit bestehenden Kollektivvertrag kommt außerdem zum Grundgehalt ein variabler Bestandteil dazu, der sich an den tatsächlich geleisteten Flug Stunden orientiert.

So warnen Experten vor allem neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – viele arbeitslose ehemalige Pilotinnen und Piloten, etwa von Thomas Cook oder Adria Airways – diese neuen Dienstverträge zu unterzeichnen. Die Gewerkschaft Vida möchte sich die Details noch einmal genau ansehen und dann rechtlich gegen diese vorgehen.

aktualisiert: 23.10.2019, 11:12 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

LaudamotionRyanairKollektivvertrag

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