22.10.2019, 13:36 Uhr | von | Wirtschaft

Viele sind der Meinung, dass die Impulse der Notenbank nicht ausreichen werden, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Wird die Fiskalpolitik zur neuen Geldpolitik?
Bild: Finanz.at / pixabay.com (Montage)

Dass Geldpolitik viel kann, jedoch nicht alles, weiß Mario Draghi, Chef der europäischen Zentralbank nach acht Jahren im Amt allzu gut. Er hat als EZB Chef die Staaten immer wieder dazu aufgerufen, Reformen vorzunehmen. Seine Ratschläge bzw. Mahnungen wurden jedoch aufgrund dessen, dass das Geld zu billig war, nicht gehört. In wenigen Tagen übergibt er sein Amt an seine Nachfolgerin Christine Lagarde. Nun versucht Draghi es noch einmal auf eine andere Art und Weise. In einer Rede fordert er erneut die Mitgliedsländer dazu auf, eine aktive Fiskalpolitik zu betreiben. Denn nur dann kann seiner Meinung nach die EZB die Politik der niedrigen Zinsen schnell anpassen.

Vor allem in Deutschland ist dies ein sehr präsentes Thema, da der größten Volkswirtschaft Europa eine technische Rezession droht. Dennoch ist die Regierung für die Anreize nicht wirklich bereit. Es könnte jedoch eine Trendwende einsetzen, sobald sich der Konjunkturabschwung auch in den Arbeitsmärkten bemerkbar macht.

Die Bank Austria ist der Meinung, dass in vielen Staaten der Euro-Zone, darunter auch Österreich, ein budgetärer Spielraum vorhanden ist. Für das Jahr 2019 wird in rund 50 % der 19 Eurostaaten ein Budgetüberschuss erwartet. Die Länder können sich aufgrund niedriger Kapitalmarktzinsen günstig finanzieren. Fiskalische Spielräume werden durch ein steigendes Bruttoinlandsprodukt sowie steigende Budgeteinnahmen bei gleichzeitig sinkenden Zinsaufwand eröffnet, ohne dabei jedoch die Verschuldung zu erhöhen. Dieser Meinung ist auch Bank Austria Chef-Ökonom Stefan Bruckbauer.

Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, welche gerne auch als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet wird, kam zu dem Schluss, dass geldpolitische Instrumente, wenn sie zusammen mit einer breiten Menge an politischen Maßnahmen genutzt werden, am wirksamsten sind. Diese politischen Maßnahmen beinhalten etwa fiskalische und aufsichtsrechtliche Schritte.

Unvermeidbare Turbulenzen

Prognosen zu treffen, die über einen Zeitraum von 3-5 Jahren hinausgehen, wird immer schwieriger. Ein Grund hierfür ist, dass das globale Weltwirtschaftswachstum abschwächt und gleichzeitig auch anfälliger für negative Schocks wird.

Ein weiterer Grund hierfür ist aber auch, dass es doch einige Faktoren gibt, mit denen man kämpfen muss, die nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Portfolios von Investoren stark beeinflussen können. Ein solcher Faktor ist etwa China, da sich China zu einer globalen Supermacht entwickelt hat. Chinas Ziel ist es, die Führerschaft im Bereich der Technologie an sich zu reißen. Dieser Umstand wird für Produzenten aus Japan, den USA, aus Südost-Asien und aber auch aus Europa früher oder später zum Problem werden.

Es gibt außerdem Branchen, die sich um ihre Zukunft Sorgen machen können bzw. müssen. Viele von ihnen wissen noch gar nicht, dass der technologische Wandel auch sie betreffen wird. Demnach wird es nicht nur viele Gewinner, sondern auch viele Verlierer geben - und dies nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei den Investoren.

aktualisiert: 22.10.2019, 13:36 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

FiskalpolitikGeldpolitikNiedrigzinsenBudgetüberschussPolitik

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