Hundert Prozent Ökostrom ist ein schöner, aber teurer Traum

19.10.2019, 11:38 Uhr | von | Wirtschaft

Viele wünschen sich, dass Österreich 100% ökoneutral wird. Dennoch bedenken viele nicht die deutlichen Mehrkosten, die diese Umstellung mit sich ziehen würde.

Hundert Prozent Ökostrom ist ein schöner, aber teurer Traum
Bild: pixabay.com / stevepb

Vor den Wahlen gab es in Österreich eine kleine Ökostrom-Novelle. Selbst diese haben eine Erhöhung der Haushaltsbelastung von 89 Euro pro Jahr für jeden Haushalt mit sich gebracht. Wenn sich Österreich bis zum Jahre 2030 zu 100 Prozent mit „grünem Strom“ versorgen will, dann müssten jährlich rund drei Mal mehr saubere Kraftwerke gebaut und gefördert werden, als es heute der Fall ist.

In elf Jahren soll Österreich sich bilanziell zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen können. Mit Vorlage des Ökostromberichts 2019 äußerten die E-Control-Vorstände Andreas Eigenbauer und Wolfgang Urbantschitsch, dass sich viel ändern müsse, um dieses Ziel auch in besagter Zeit zu erreichen. Der Anteil der erneuerbaren Energien stieg nämlich im Vorjahr in Österreich nicht mehr an, sondern sank auf 73 Prozent. Insgesamt wurde ein Minus von sieben Prozent im Bereich der Kleinwasserkraft und ein Minus von 12 Prozent beim geförderten Windstrom verzeichnet. Nur im Bereich des Stroms aus Solarenergie gab es ein Plus von rund acht Prozent.

Damit Österreich das Ziel von 100% grünem Strom erreichen kann, ist eine Verdreifachung der Ausbaugeschwindigkeit notwendig. In Zahlen würde das bedeuten, dass es anstatt einer Terawattstunde drei Terawattstunden benötigt, um das Ziel zu verwirklichen. Auf diese Zahlen kommt man auch aus dem Grund, da der Strombedarf der Österreicherinnen und Österreicher jährlich um etwa 1,5 Prozent steigt.

Mehr Kraftwerke notwendig

Urbantschitsch betont, dass neue Öko-Stromanlagen dringend für Österreich notwendig wären. Dabei spiele es grundsätzlich keine Rolle, ob es sich dabei um Wasser-, Solar-, Wind- oder Biomasse-Kraftwerke handelt. Eine Vielzahl der Kraftwerke kann jedoch nicht ohne finanzielle Hilfe am Markt bestehen. Daher benötigt es vermehrte Förderkosten für Ökostrom.

Die Arbeiterkammer kritisiert indes, dass rund 40 Prozent der Gesamtkosten für Ökostrom und die damit verbundenen Stromnetze letztlich die Endkundinnen und Endkunden bezahlen müssen. Gleichzeitig verbrauchen diese nur etwa ein Viertel des gesamten Stroms. Die großen Unternehmen, die viel mehr Strom verbrauchen, werden jedoch weitgehend von den Kostenbelastungen durch den Ausbau von erneuerbaren Energien verschont.

Die notwendige verdreifachte Ausbaugeschwindigkeit im Bereich der erneuerbaren Energien bedeutet laut der E-Control jedoch nicht, dass es auch zu einer Verdreifachung der Kosten kommen wird. Hierbei sollte es eine Umstellung des Förder-Regimes geben. Über Ausschreibungen sollte Geld an den günstigen Projekterwerber gehen. Bisher war es nämlich der Fall, dass Geld über fixe Einspeisetarife vergeben wurde.

aktualisiert: 19.10.2019, 11:38 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Bio: Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

ÖkostromStromÖkoKraftwerkeNachhaltigkeitErneuerbare EnergienFörderungen

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