29.07.2020, 11:20 Uhr | von | Arbeitnehmer
Neues Modell für Kurzarbeit fixiert: Mindestarbeitszeit erhöht, Gehalt bleibt
Bildquelle: Finanz.at | Rechner

Einigung auf neues Kurzarbeitsmodell zwischen Sozialpartner und Regierung ab Oktober. Mindestarbeitszeit von 10 auf 30 Prozent erhöht. Die Nettoersatzrate für Arbeitnehmer bleibt bei 80 bis 90 Prozent.

Die Regierung und die Sozialpartner haben das aktuelle Corona-Kurzarbeitsmodell adaptiert. Es gilt ab 1. Oktober bis Ende März 2021. Man habe das Modell überarbeitet, "um es treffsicherer zu machen und Missbrauch zu verhindern", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch nach einem Treffen mit ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und WKÖ-Chef Harald Mahrer.

Die Kurzarbeit habe in der Coronakrise bisher "massive Wirkung" gezeigt und viele Jobs gerettet sowie Menschen in Beschäftigung gehalten, so Kurz. Das Kurzarbeitsgeld sei eine Unterstützung für Betriebe und Mitarbeiter. Vizekanzler Werner Kogler dankte den Sozialpartnern für ihre Kooperation. Gewerkschaft und Wirtschaftskammer seien "eine große Stärke für Österreich". Andere Länder würden Österreich um sein Kurzarbeitsmodell beneiden, so der Vizekanzler.

Sozialpartner zufrieden

ÖGB-Präsident Katzian verwies darauf, dass bei den Kurzarbeitsanträgen der Unternehmen noch genauer hingesehen werde. Es werde "kein Durchwinken" geben, damit kein Missbrauch durch Betriebe möglich sei. "Dafür wird es Rahmenvereinbarungen geben, die in den nächsten Tagen finalisiert werden." Für Wirtschaftskammer-Chef Mahrer kann sich "das Ergebnis sehen lassen". Durch die Einigung gebe es nun Planungssicherheit für die Unternehmen und man habe am Modell der Kurzarbeit-Abrechnung nichts verändert, um "kein Bürokratiemonster zu schaffen".

Nettoersatzrate bleibt gleich

Die Beibehaltung der Einkommen-Nettoersatzrate für Beschäftigte von 80 bis 90 Prozent stärke die Kaufkraft und helfe der Wirtschaft, so Mahrer. Das Kurzarbeitsmodell sei "weiterhin extrem großzügig". Die Mindestarbeitszeit wird von 10 auf 30 Prozent angehoben. Nach den Semesterferien 2021 wollen sich die Sozialpartner wieder mit der Regierung zusammensetzen, um über die Zukunft der Kurzarbeit zu beraten.

Bisher 3,9 Mrd. Euro ausbezahlt

Im Rahmen der Corona-Kurzarbeit hat das Arbeitsmarktservice (AMS) bisher rund 3,9 Mrd. Euro an anspruchsberechtigte Unternehmen ausbezahlt. Die türkis-grüne Regierung hat bis zu 12 Mrd. Euro für die Kurzarbeit budgetiert. Von den eingelangten Abrechnungen sind laut Angaben des Arbeitsministeriums rund 337.500 (96 Prozent) bearbeitet. Rund 72.000 Unternehmen hätten schon alle Zahlungen erhalten. Aktuell wird die Kurzarbeit noch in der Warenherstellung (Industrie und Gewerbe) mit rund 194.000 Kurzarbeitenden, im Handel mit rund 68.000 und im Tourismus (Beherbergung und Gastronomie) mit rund 48.000 in Anspruch genommen.

(APA / Redaktion)

Mehr Informationen: Kurzarbeit

aktualisiert: 29.07.2020, 12:19 Uhr
Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
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Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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