23.07.2020, 13:30 Uhr | von | Finanzen
Corona-Tests: Fragwürdige 200.000 Euro pro Monat an US-Beraterfirma
Bildquelle: APA | Elisabeth Köstinger (ÖVP)

Die Bundesregierung soll die US-Beraterfirma McKinsey für 200.000 Euro pro Monat beauftragt haben, um bei den 65.000 wöchentlichen Testungen in Gastronomie und Tourismus zu helfen. Derzeit wurden jedoch insgesamt nur 9.000 Tests durchgeführt. Die Opposition fordert nun Aufklärung.

SPÖ und die NEOS haben am Donnerstag rund um die Coronatests im Tourismus parlamentarische Anfragen an Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) angekündigt. Hinterfragt werden sollen die Teststrategie und die Geldflüsse dahinter. Wie die NEOS stören sich die Sozialdemokraten daran, dass die Beratungsfirma McKinsey beim Projekt "Safe A" mit involviert ist.

"Beim Testkonsortium fehlt jede Transparenz", kritisierte SPÖ-Vize-Klubobmann Jörg Leichtfried. "Wer hat die Labore, die Berater ausgewählt? Wer zahlt die Honorare? Was sind die tatsächlichen Leistungen? Wie sieht das Konzept aus?", wollen er und SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher wissen.

Fragwürdige Kosten für Coronatests im Tourismus

Die NEOS stoßen insbesondere an den Kosten für Coronatests im Tourismus. Der Bund, also der Steuerzahler, zahlt pro Test pauschal 85 Euro. Doch in Bayern kosteten Tests nur 52 Euro, kritisieren Gesundheitssprecher Gerhard Loacker und Wirtschaftssprecher Josef Schellhorn.

Beim sogenannten Projekt "Safe A" stört sich die kleinste Oppositionspartei daran, dass die Unternehmensberatung McKinsey engagiert worden ist. Sie will erfahren, wer "tatsächlich" für hierbei entstehenden Kosten aufkommt. "Wer finanziert das kolportierte McKinsey-Honorar von wöchentlich 200.000 Euro?", fragen die NEOS und glauben auch eine Antwort zu haben: "Der Steuerzahler zahlt das durch überteuerte Tests."

Dass eine derartige Summe an die US-Unternehmensberatung McKinsey monatlich gezahlt würde, berichtete die Kronen Zeitung am Mittwoch. McKinsey soll laut Auftrag bei der Auswahl und Planung der von der Bundesregierung angekündigten "65.000 Corona-Tests pro Woche in Österreichs Gastronomie- und Tourismus-Betrieben" helfen. Derzeit wurden jedoch lediglich 9.000 Testungen insgesamt durchgeführt.

Die Frage ist nun, was die Beratungsfirma tatsächlich leistet, was ihr Auftrag ist und wofür sie ein Honorar von vermeintlichen 200.000 Euro pro Monat - immerhin österreichisches Steuergeld - erhält.

Tourismusministerium dementiert

Tourismusministerium und Wirtschaftskammer betonen, dass die Beratungsfirma von einem Labor-Konsortium beauftragt worden sei, dessen Mitglieder die Coronatests durchführen. Derzeit sind laut Ministerium 17 Labore registriert und damit berechtigt, die Testungen durchzuführen.

"In Österreich ist der Test vom bayerischen Preis her betrachtet um 60 Prozent höher als dort", so Loacker. Auch in anderen Ländern gebe es günstigere Tests, so Schellhorn. "Das Projekt Safe A ist ein steuerfinanzierter Flop", sagt der Politiker und Hotelier. "Man erwartet von uns Tourismusbetrieben, dass wir unsere Mitarbeiter freiwillig testen lassen - ohne Teststrategie und ohne Leitfaden."

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erklärt, dass sein Ministerium keine derartigen Zahlungen an die Beraterfirma McKinsey leistet. "Ich kann nur nach rascher Überprüfung sagen: aus dem Gesundheitsministerium gibts keine derartigen Zahlungen", so Anschober auf Twitter.

(APA / Redaktion)

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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