Wenn eine Person einen Optionsschein erwirbt, so erwirbt sie das Recht, nicht aber die Pflicht, einen bestimmten Basiswert zu einem bestimmten Wert während einer bestimmten Zeit (amerikanische Optionen) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (europäische Optionen) zu kaufen oder zu verkaufen.

Wie funktionieren Optionsscheine?

Mit Optionsscheinen ist es möglich, einzelne Aktien, aber auch die Währungsentwicklung oder einen Rohstoff zu handeln. Sie haben gegenüber den Direktinvestments den Vorteil, dass auch mit nur kleinen Investitionsbeträgen schon Gewinne erzielt werden können. Dies ist aufgrund des sogenannten Hebeleffekts der Fall. Was dieser Hebel genau ist, wird im Anschluss geklärt.

Hebel:

Der Hebel gibt im Allgemeinen darüber Auskunft, um wie viel mehr sich der Optionsscheinpreis bei einer Änderung des Basiswertkurses ändert. Liegt beispielsweise ein Hebel von 3 vor, so heißt dies, dass eine Option dreimal so stark auf Änderungen des Basiswert reagiert. Grundsätzlich berechnet sich der Hebel aus einer Division des Kurses des Basiswertes durch den Preis des Optionsscheines. Man kann somit als Anleger durch den Hebel ein Vielfaches dessen verdienen, was man bei einer Direktanlage etwas verdienen könnte. Der Kapitaleinsatz ist auch begrenzt. Wenn man erneut von einem Hebel von 3 ausgeht, so muss der Anleger in dem Fall nur ein Drittel von dem ausgeben, was er bei einer Direktanlage ausgeben müsste. Der Hebel wirkt aber nicht nur bei positiven Änderungen des Kurses, sondern auch bei negativen. Deshalb kann man genauso schnell sehr viel verlieren, wie man gewinnen kann.

Mit Optionsscheinen kann man einerseits überproportionale Gewinne erzielen, das Totalverlustrisiko ist gleichzeitig stark erhöht. Der Preis einer Option ist nicht nur von der Entwicklung des Basispreises abhängig, sondern auch vom Zeitwert, dem allgemeinen Zinsniveau und der Volatilität. Daher eignet sich das Handeln mit Optionen eher nur für Personen, die bereits erfahrene Anleger sind und entsprechende Anlegererfahrung aufweisen können.

Grundsätzlich weist ein Optionsschein vier Hauptmerkmale auf, die im Nachfolgenden näher erläutert werden:

  • Unter dem Basiswert versteht man den zugrundeliegenden Wert, etwa eine Aktie.
  • Das Bezugsverhältnis gibt des Weiteren an, wie viele Optionsscheine einem solchen Basiswert entsprechen. Wenn das Verhältnis 1:1 entspricht, so kann mit einem Optionsschein bereits das Optionsrecht ausgeübt werden. Bei einem Verhältnis von 0,1:1 muss man zehn Optionsscheine kaufen, dass man sein Recht ausüben kann.
  • Der Basispreis gibt an, zu welchem Preis man das Optionsrecht ausüben kann.
  • Die Laufzeit umfasst bei amerikanischen Optionen die Zeitspanne und bei europäischen Optionen den Zeitpunkt, innerhalb dessen oder an dem dieses Ausübungsrecht besteht.

Verschiedene Arten von Optionsscheinen

Man unterscheidet in der Praxis in der Regel zwischen europäischen und amerikanischen Optionen oder Optionsscheinen und zwischen Call- und Put-Optionen. Was diese jeweils genau sind und was sie auszeichnet, wird im Folgenden genauer definiert.

Europäische Option:

Diese kann man nur an einem festgelegten, bestimmten Zeitpunkt ausüben, also kaufen oder verkaufen. Europäische Optionen werden auch als Plain Vanilla Optionen bezeichnet und zählen zu den Standardoptionen. Sie können sowohl Call-, als auch Put-Optionen sein.

Amerikanische Option:

Als solche werden all jene Optionen bezeichnet, die während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden können. Oft spricht man in diesem Zusammenhang auch von American Style. Es handelt sich hierbei um die am häufigsten an den Börsen gehandelten Optionen. Man darf beim Namen Amerikanische Option aber nicht daran denken, dass diese nur in Amerika gehandelt werden.

Call-Option:

Es gibt einerseits die sog. „Call-Option“, welche dem Käufer das Recht gibt, bis zum Verfallsdatum der Option den Basiswert eines vorab bestimmten Preises zu erwerben. Dafür bezahlt der Anleger eine Optionsprämie. Der Verkäufer einer „Call-Option“ erhält diese Prämie, hat aber dadurch die Pflicht, bei Ausübung der Option den Basispreis zu liefern. Nehmen wir an, dass für den Kauf einer Aktie zu einem Basispreis von 100,00 Euro im Bezugsverhältnis 1:1 ein Optionsschein im Wert von 3,00 Euro gekauft wird.

Wenn diese Aktie während der Laufzeit jedoch unter den 100,00 Euro notiert, nutzt dieser Optionsschein dem Anleger nichts. Ein Gewinn wird erst dann erzielt, wenn der Preis der Aktie den Basispreis plus den Preis, der für die Option selbst bezahlt wurde, also in diesem Fall 103,00 Euro übersteigt. Steigt also der Kurs auf einen Wert von etwa 110,00 Euro, so erzielt man einen Gewinn von 7,00 Euro pro Optionsschein, den man gekauft hat. Wird der Wert von 103,00 Euro nicht überstiegen, ist das eingesetzte Kapital verloren.

Put-Option:

Bei „Put-Optionen“ liegt das genaue Gegenteil vor. Eine gekaufte „Put- Option“ gibt einem das Recht, bis zum Verfallsdatum der Option den Basiswert zu einem vorab bestimmten Preis zu verkaufen. Mit dieser kann man als Verkäufer vom Käufer dazu verpflichtet werden, den Basispreis zum Ausübungspreis abzunehmen. Man bezahlt für eine Option, eine Aktie um 100,00 Euro zu verkaufen, 3,00 Euro. Wenn der Kurs der Aktie im weiteren Verlauf auf beispielsweise 96,00 Euro sinkt, kann die Aktie dennoch zu 100,00 Euro pro Stück verkauft werden und ein Euro pro gekauften Optionsschein an Gewinn wird erzielt. Fällt der Kurs auf 80,00 Euro, würde der Gewinn ganze 17,00 Euro betragen, steigt der Kurs hingegen auf über 100,00 Euro, so erwirtschaftet man mit diesem Geschäft einen Verlust.